Map Remake bei LoL: Was passiert mit meiner Wette nach einer Spielwiederholung
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Die Pause, die mich Geld gekostet hat
Im LCK Spring 2022, ungefähr Minute neun einer Karte zwischen T1 und Hanwha Life, fror das Bild ein. Ein Spieler von T1 hatte einen technischen Defekt, das Spiel wurde pausiert, und nach 25 Minuten Pause entschied der Schiedsrichter – Remake. Die Map wurde von vorn gespielt. Ich hatte zwei Wetten platziert: eine auf First Blood für T1 (gewonnen, dachte ich), und eine auf Total Kills über 25,5 in dieser Map. Beide Wetten waren in der Original-Map relevant – was aber zählte nach dem Remake? Genau diese Frage stand im Zentrum meiner Recherche nach diesem Match. Und sie ist komplizierter, als die meisten Tipper glauben.
Map Remakes sind im Profi-LoL selten – aber sie kommen vor. Wer als Tipper auf höhere Volumina spielt, wird im Laufe einer Saison mit mindestens einem Remake konfrontiert. In diesem Text gehe ich die Mechanik, die Settlement-Regeln und die Unterschiede zwischen Anbietern durch.
Was ein Remake im LoL-Kontext genau bedeutet
Im professionellen League of Legends gibt es zwei Hauptkategorien von Spiel-Wiederholungen – Riot-offizielle Remakes und Schiedsrichter-angeordnete Restarts. Beide haben unterschiedliche Auslöser und unterschiedliche Settlement-Folgen.
Ein Riot-offizielles Remake (im Solo-Queue manchmal „Vote-Remake“ genannt) tritt auf, wenn in den ersten drei Spielminuten ein Spieler nicht oder unzureichend ins Spiel kommt – typischerweise durch Disconnect oder AFK. Die Spieler können dann das Spiel mit einer Mehrheits-Entscheidung beenden, und es wird offiziell als „kein Spiel“ gewertet. Im Profi-Kontext ist das selten, weil Profi-Spieler in der Regel stabile Internet-Verbindungen haben – aber es passiert.
Ein Schiedsrichter-angeordneter Restart tritt bei technischen Problemen oder Regelverletzungen auf. Ein Spieler hat einen Hardware-Defekt, ein Pause-Trigger funktioniert nicht korrekt, oder eine Spieleinstellung ist falsch konfiguriert. In solchen Fällen kann der Schiedsrichter – je nach Situation – entweder die Map ab einem bestimmten Punkt fortsetzen oder die gesamte Map von vorn beginnen. Letzteres ist der eigentliche Map-Remake im engeren Sinn.
Eine wichtige Unterscheidung: Beim Riot-Remake (innerhalb der ersten drei Minuten) gibt es kaum Wett-relevante Ereignisse – First Blood ist sehr unwahrscheinlich, First Tower noch nicht möglich. Beim Schiedsrichter-angeordneten Restart kann die Map bereits 20 oder 30 Minuten gelaufen sein, mit zahlreichen Wett-relevanten Ereignissen. Die Settlement-Frage ist hier deutlich komplexer.
Settlement-Regeln: Wie Bookies mit Remakes umgehen
Die zentrale Frage: Zählen Ereignisse aus der abgebrochenen Map oder erst aus der wiederholten Map? Hier gibt es keine einheitliche Regel – jeder Anbieter entscheidet das in seinen Geschäftsbedingungen anders. Aus meiner Beobachtung gibt es drei Hauptpraktiken.
Erstens, das „Annullierungs-Modell“. Bei diesem Modell werden alle Wetten auf die abgebrochene Map storniert, Einsätze zurückerstattet. Es zählen ausschließlich die Ereignisse der wiederholten Map. Diese Praxis ist konsumentenfreundlich, aber für die Anbieter risikoreich – sie müssen alle Auszahlungen rückabwickeln. Mein Eindruck: Etwa die Hälfte der seriösen Anbieter folgt diesem Modell.
Zweitens, das „Erste-Map-Modell“. Bei diesem Modell zählen die Ereignisse der ersten Map weiter – wer First Blood in der abgebrochenen Map hatte, behält den Gewinn auch nach dem Remake. Für Series-Winner-Wetten wird dann nur die wiederholte Map gewertet. Dieses Modell ist juristisch komplex und entsteht selten – aber es existiert bei einigen kleineren Anbietern, vor allem aus dem Curaçao-Lizenzraum.
Drittens, das „Hybrid-Modell“. Hier werden Match-Winner-Wetten storniert, einzelne Prop-Wetten (First Blood, First Dragon) aber nach Map-Stand der wiederholten Map bewertet. Dieses Modell findet sich häufig bei mittelgroßen Anbietern und ist für Tipper am schwierigsten zu navigieren – weil je nach Wett-Typ unterschiedliche Regeln greifen.
Was ich vor jeder Wette in einer Top-Tier-Liga prüfe: Die „Bet Settlement Rules“ des Anbieters für eSports. Diese Sektion ist oft im Hilfebereich versteckt und wird selten beworben, aber sie ist entscheidend. Ein 15-Minuten-Lesen vor der ersten Wette spart langfristig viel Frust und gegebenenfalls auch viel Geld.
Wie sich Anbieter konkret unterscheiden
Ein Beispiel aus der Praxis: Beim Worlds 2025 Grand Final zwischen T1 und KT Rolster gab es zwar keinen Remake, aber die Quoten-Struktur (T1 bei rund 1,50, KT bei etwa 2,40) wäre bei einem Remake der ersten Map für mehrere Bookmaker ein klassischer Test-Case. Bei einem hypothetischen Remake nach 25 Spielminuten hätten Anbieter mit Annullierungs-Modell alle First-Blood-Wetten zurückerstattet – Anbieter mit Erste-Map-Modell hätten sie behalten.
Die meisten europäischen MGA-Lizenz-Anbieter folgen dem Annullierungs-Modell, weil es regulatorisch eindeutiger ist und weniger Spielerbeschwerden produziert. Curaçao-Anbieter sind in dieser Hinsicht heterogener, mit einigen, die das Hybrid-Modell anwenden. Deutsche Lizenz-Anbieter haben in der Regel keine LoL-Märkte mit der notwendigen Tiefe, um diese Frage praktisch relevant zu machen – sie bieten meist nur Match-Winner an.
Eine konkrete Konsequenz aus dieser Heterogenität: Wer Prop-Wetten wie First Blood oder First Dragon platziert, sollte die Settlement-Regeln des konkreten Anbieters kennen. Mein Ansatz: Vor jeder Saison einmal die Regeln meiner drei Stamm-Anbieter prüfen – und bei Änderungen die Konsequenzen für meine Wett-Strategie überdenken.
Ergänzend zu diesem Aspekt empfehle ich meine Analyse der First-Blood-Wette, in der ich die spezifische Mechanik dieses Marktes und seine Anfälligkeit für Settlement-Probleme bei Spielabbrüchen detailliert behandle.
Eine Empfehlung zum Schluss: Wenn ein Spiel pausiert wird und sich die Pause länger zieht, sollten Tipper aktiv die Quoten-Reaktion ihres Anbieters beobachten. Manche Anbieter setzen die Live-Märkte sofort aus, manche lassen sie kurz weiterlaufen, manche aktualisieren die Pre-Match-Quoten neu. Diese Reaktion gibt Hinweise auf das interne Settlement-Modell des Anbieters – wer aufmerksam ist, bekommt vorab Informationen, die später beim Settlement helfen.
Mein letzter Hinweis: Map Remakes sind selten, aber sie sind die Wetten, in denen Anbieter mit fairer Geschäftspraxis sich von Anbietern mit ausnutzender Praxis trennen. Wer einen Anbieter findet, der bei einem Remake klar, schnell und konsumentenfreundlich kommuniziert, hat einen Anbieter mit echter Substanz gefunden – und das ist langfristig wertvoller als 0,1 Prozentpunkte bessere Quoten in den Routine-Wetten.
Eine zusätzliche praktische Beobachtung: Pausen, die nicht in einen Remake münden, haben eine eigene Wett-Dynamik. Wenn ein Spiel zehn Minuten pausiert wird und dann fortgesetzt wird, ohne dass eine Map neu gestartet wird, bleiben alle Wetten in Kraft – aber die Live-Märkte werden in der Pausen-Phase fast immer eingefroren. In dieser Zeit kann der Tipper nicht reagieren, selbst wenn er die Situation perfekt lesen würde. Manche Anbieter nutzen die Pause auch dazu, ihre Quoten-Modelle zu rekalibrieren, was zu spürbaren Quoten-Verschiebungen führen kann, sobald der Markt wieder öffnet.
Ein letzter Aspekt, der oft vergessen wird: Selbst wenn ein Remake nicht stattfindet, kann das Match unter bestimmten Umständen abgesagt werden – etwa bei einem unlösbaren technischen Problem oder bei einer organisatorischen Krise. In diesen Fällen greifen Anbieter typischerweise auf eine 12-Stunden- oder 24-Stunden-Regel zurück: Wenn das Match nicht innerhalb dieses Zeitfensters fortgesetzt oder neu angesetzt wird, werden die Wetten storniert. Wer als Tipper langfristig aktiv ist, sollte diese Regel kennen – sie kann bei großen Turnieren mit straffem Zeitplan relevant werden, wenn eine Map nicht zeitnah wiederholt werden kann.
League of Legends Wetten: Ratgeber und Analysen 2026
Erstellt von der Redaktion von „Riftorakel".